Dr. med. Wolfgang Grimm (Hämatologie/Internistische Onkologie)

Praxisinhaber:
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Zytostatika und Chemotherapie

Zytostatika und Chemotherapie

Stand der Information: November 2010

Krebszellen teilen sich unaufhörlich und unkontrolliert. Je aggressiver sie sind, desto weniger sind sie den Steuer- und Kontrollinstrumenten des Körpers unterworfen. Deshalb ist es besonders schwierig, sie wirkungsvoll zu bekämpfen.

Ein gemeinsames Charakteristikum vieler Krebszellen ist ihre hohe Teilungsrate. Wenn es gelingt, diese Zellteilung zu verlangsamen oder gar zum Stillstand zu bringen, dann wächst ein Tumor nicht weiter. Genau das ist das Wirkprinzip von Zytostatika. Die Bezeichnung stammt aus dem Griechischen: „cyto“ bedeutet Zelle, „statik“ so viel wie anhalten. Zytostatika stören also die Stoffwechselvorgänge, die im Zusammenhang mit der Zellteilung stehen. Zu den schnell wachsenden Zellen gehören leider nicht nur bösartige Tumorzellen, sondern auch Haarwurzelzellen, Zellen in Schleimhäuten von Mund und Magen-Darm-Trakt und auch die aus dem Knochenmark stammenden Blutzellen.

Tumorzellen sind empfindlicher
Jede Körperzelle verfügt über Reparaturinstrumente, um Fehler bei der Zellteilung auszugleichen. Tumorzellen sind zur Reparatur von Fehlern kaum in der Lage; deshalb sind sie gegenüber Zytostatika empfindlicher als gesunde Körperzellen. Nur deshalb ist eine Behandlung mit den häufig hochgiftigen Zytostatika überhaupt erfolgversprechend.

Unvermeidbare Nebenwirkungen
Weil aber bösartige Tumorzellen nicht die einzigen schnell wachsenden Zellen im Körper sind, rufen Zytostatika störende und manchmal auch gravierende Nebenwirkungen hervor. Wegen der schädigenden Wirkung auf Haarwurzelzellen verursachen fast alle Zytostatika vorübergehenden Haarausfall. Die Schleimhautschädigungen führen zu Schluckstörungen oder auch zu Übelkeit und Erbrechen. Weil Zytostatika die für die Bildung der roten und weißen Blutkörperchen zuständigen Stammzellen im Knochenmark ebenfalls schädigen, nimmt im Verlauf einer Chemotherapie die Zahl der roten und weißen Blutzellen ab.

Rote Blutkörperchen sind verantwortlich für den Sauerstofftransport in die Gewebe und Zellen. Nimmt ihre Zahl ab, klagen Patienten über ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung. Bestimmte weiße Blutkörperchen sind für die Immunabwehr besonders wichtig. Wenn Zytostatika deren Produktion beeinträchtigen, werden Patienten anfälliger für Infektionen. Seit einigen Jahren lässt sich dieser Nachteil zumindest teilweise ausgleichen: Wenn die Zahl der weißen und roten Blutkörperchen deutlich unter den Normalwert fällt, erhält der Patient zusätzlich zur Chemotherapie spezielle Wachstumsfaktoren, die die Bildung von Blutzellen fördern.

Die meisten Nebenwirkungen von Zytostatika sind vorübergehender Natur und können heute mit zusätzlichen Medikamenten vergleichsweise gut kontrolliert werden. In der medikamentösen Behandlung von Krebserkrankungen – der Chemotherapie – sind Zytostatika nach wie vor die wirksamste Medikamentengruppe. Anfang der 1940er Jahre nutzten Ärzte erstmals den zellteilungshemmenden Effekt. Heute sind sehr viele verschiedene Zytostatika verfügbar. Zwei große Gruppen lassen sich unterscheiden:

  • Zytostatika, die bei der Zellteilung den Zusammenbau der Erbsubstanz DNA für die Tochterzelle stören und
  • Zytostatika, die bei der Zellteilung die Bildung des neuen „Zellskeletts“ verhindern

In der Chemotherapie werden neben Zytostatika mittlerweile auch andere Medikamente eingesetzt: Monoklonale Antikörper, hormonähnliche Substanzen oder Botenstoffe wie die Zytokine. Sie alle haben nur ein Ziel: die Teilungssignale für Tumorzellen sozusagen auszuschalten, damit das Tumorwachstum zum Stillstand kommt.